Projekte „Ausgezeichnete Gesundheit 2022“

Kurzbeschreibungen


Session I – Versorgung digital

Digitalisierung der Notfallkette in Thüringen (Sven Auerswald, KV Thüringen)

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen führt im Jahr 2022 ein flächendeckendes System zur mobilelektronischen Einsatzdokumentation im Rettungsdienst (MEDiRett) ein. Mit dieser Einführung soll die Zahl von Informationsbrüchen verringert und die Abläufe der Patientenversorgung vom Einsatzort bis in die Klinik zum Wohle der Patient:innen deutlich verbessert werden. Die Einsatzdokumentation wird online über ein Voranmeldetool direkt in die Notaufnahme übertragen. Davon erfasst sind zukünftig auch Notfälle, die vom Patientenservice 116117 digital an Leitstellen übergeben werden können. Darüber hinaus bildet MEDiRett einen wichtigen Baustein für die digitale Vernetzung zwischen den präklinischen und klinischen/stationären Versorgungseinrichtungen.

Mehr zum Projekt unter (PDF)

Folienpräsentation

 

Videosprechstunde ergänzt den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 (Dr. Thorsten Kleinschmidt, KV Niedersachsen)

Im August 2020 wurde der Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen um eine Videosprechstunde am Wochenende und an Feiertagen erweitert. In dieser Zeit können Patient:innen online mit einem Arzt oder einer Ärztin im Bereitschaftsdienst sprechen und sparen sich so den Weg in die Bereitschaftsdienstpraxis. Gleichzeitig werden Ärzt:innen entlastet. Wählt eine Person aus Niedersachsen zwischen 9 und 16 Uhr die Bereitschaftsdienstnummer 116117, dann wird ihr eine Videosprechstunde angeboten, wenn sie durch den Telefondisponenten nach dem strukturierten medizinischen Ersteinschätzungsverfahren (SmED) als möglicher Videopatient bzw. Videopatientin eingestuft wird. Die Person nimmt im virtuellen Wartezimmer Platz und wird dann dort von einem diensthabenden Bereitschaftsarzt abgeholt. Für Patient:innen und Ärzt:innen in Zeiten der Corona-Pandemie und der Kontaktbeschränkungen ein Gewinn.

Mehr zum Projekt

Projekt-Video (Youtube)

Folienpräsentation

 

Sächsisches Fernbehandlungsmodell (Dr. Gunnar Dittrich, KV Sachsen)

Eine Patientin klagt über Beschwerden und ein Hausarzt ist gerade nicht zu erreichen. Sie wählt die 116117 und wird mit der Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen verbunden. Dort werden ihre Beschwerden und Daten elektronisch erfasst. Die Symptome werden mit Hilfe von SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) geprüft und die Eignung der Patientin für eine Fernbehandlung ermittelt. Sie erhält daraufhin das Angebot, zeitnah durch einen Fernbehandlungsarzt telefonisch oder per Video kontaktiert zu werden. Stimmt die Patientin dem Angebot zu, werden einem verfügbaren Arzt für die Kontaktaufnahme alle behandlungsrelevanten Daten sicher über die Telematikinfrastruktur übermittelt. Dieser nimmt dann für eine Fernbehandlung zeitnah Kontakt zur Patientin auf, der somit schnell geholfen werden kann.

Mehr zum Projekt

Folienpräsentation

 

Asynchrone telemedizinische Versorgung im ländlichen Raum – ASTRaL (Sarah Fischer, KV Schleswig-Holstein)

Im ASTRaL-Projekt mit der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein werden asynchrone (zeitversetzte) telemedizinische Verfahren in der wohnortnahen Versorgung im ländlichen Raum evaluiert. Evidenzen weisen hier auf ein großes Potential zur Optimierung der sektorenumfassenden medizinischen Versorgung, insbesondere in der Fläche, hin. Konsile zwischen Hausärzt:innen und weiteren Gebietsspezialist:innen (Dermatologie, Rheumatologie und Ophthalmologie) werden einbezogen. Diese tragen zur Optimierung der Versorgung für Patient:innen und einen schnelleren Zugang zu Spezialistenwissen bei. Bei der drohenden Gefahr von unterversorgten Gebieten, bietet dies eine zusätzliche Versorgungsoption.

Mehr zum Projekt

Folienpräsentation


Session II – Versorgung in der Pandemie

Von der mobilen Test-Station zum Pandemie-Handbuch – die Bekämpfung der Corona-Pandemie durch die KV Nordrhein (Dr. Johannes Martin, KV Nordrhein)

Durch die Karnevalssitzung in Gangelt im Februar 2020 erreichte Corona auch das Rheinland. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hat es seitdem durch hohen Einsatz ihrer Mitglieder und Mitarbeitenden geschafft, in allen Phasen der Pandemie schnell auf die sich rasch verändernden Bedingungen zu reagieren. Maßgeblich konnte durch die Verteilung von Schutzausrüstung, den Aufbau von Testzentren an Flughäfen und in der Fläche, die Impfkampagne in Praxen sowie Impfzentren und nicht zuletzt die Versorgung eines Großteils der erkrankten Patient:innen in den Praxen die Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sind in ein umfangreiches Pandemie-Handbuch für die Praxen überführt worden.

Folienpräsentation

 

COVID-Schwerpunktpraxen (Dr. Marc Kurepkat, Hausärztliches MVZ am Kutschi, KV Berlin)

Die COVID-Schwerpunktpraxen in Berlin haben – während es keine ausreichende Schutzausrüstungen in den Hausarztpraxen gab – diejenigen Patient:innen hausärztlich versorgt, die aufgrund eines Verdachts auf bzw. einer Infektion mit dem Corona-Virus getrennt von nicht mit Corona infizierten Patient:innen behandelt werden sollten. Bei der Konzipierung wurden insbesondere Aspekte wie Bestellwesen, Praxisräume und Verteilung über das Stadtgebiet einbezogen, um die Sicherstellung auch dieser Patient:innen in dieser Phase der Corona-Pandemie zu gewährleisten. Dank der danach erfolgten Verteilung von Schutzausrüstung und des prioritären Impfangebotes für medizinisches Personal konnten später alle Hausarztpraxen wieder uneingeschränkt Patient:innen medizinisch betreuen.

Folienpräsentation

 

Das Long-COVID-Netzwerk (LoCoN) zur Strukturierung und Optimierung der ambulanten Versorgung von Patient:innen mit Long-COVID-Symptomen – die Entwicklung und Implementierung in der KV Bayerns (Dr. Wolfgang Krombholz, KV Bayerns)

Es ist mit mehr als 100.000 Patient:innen in Bayern zu rechnen, die nach einer SARS-CoV2-Infektion an einem verzögerten Heilungsprozess leiden, was mit „Post-COVID“- oder „Long-COVID“-Syndrom bezeichnet wird. Eine Strukturierung der Versorgung ist vor dem Hintergrund eines zu erwartenden hohen Patientenaufkommens von besonderer Bedeutung. Grundlegend für eine strukturierte Versorgung sind der Aufbau einer Behandlungskoordination und die Implementierung von evidenzbasiertem medizinischen Wissen für alle von Post-/Long-COVID betroffenen Menschen. Das LoCoN dient der Unterstützung und der Koordination der Versorgung von Patient:innen mit Long-COVID-Symptomen. Perspektivisch sollen die Erkenntnis, wie auch die Versorgungsstrukturen dauerhaft in die Versorgung aufgenommen werden.

Mehr zum Projekt


Session III – Versorgung kreativ

Das Baiersbronner Modell der Hausärzte am Spritzenhaus – regiopraxis KVBW (Dr. Wolfgang von Meißner, KV Baden-Württemberg)

In Baiersbronn im Nordschwarzwald wurde vor zehn Jahren am historischen Feuerwehrhaus („Spritzenhaus“) ein Gesundheitszentrum errichtet. Im Gebäudekomplex befinden sich eine große Hausarztpraxis, eine Apotheke, eine Physiotherapiepraxis, ein Orthopäde, ein AOK-Kundencenter sowie ein Sanitätshaus. In der Hausarztpraxis stellen 11 Ärztinnen und Ärzte durch eine Arbeitsaufteilung untereinander und das Delegieren von Aufgaben an gut ausgebildetes medizinisches Fachpersonal eine zentrale Primärversorgung sicher. Aktuell arbeiten 20 medizinische Fachangestellte, davon 7 VERAH (Versorgungsassistent:innen in der Hausarztpraxis) und eine PA-Studentin, sowie eine Auszubildende im Team. Über Kooperationen werden jährlich über 30 Studierende ausgebildet.

Mehr zum Projekt

Projekt-Video (YouTube)

Folienpräsentation

 

Arzt und Unternehmer im Schulterschluss: Aufbau eines attraktiven Praxismodells auf dem Land (Ansgar von der Osten, KV Westfalen-Lippe)

In der Stadt Plettenberg (25.000 Einwohner) im Märkischen Kreis drohte nach mehreren Praxisschließungen und angesichts einer ungünstigen Altersstruktur ein Hausarztmangel. In dieser Situation hat sich eine Gemeinschaftspraxis auf den Weg gemacht, die Weichen für eine verbesserte Gewinnung und Einbindung von ärztlichem Nachwuchs zu stellen. Dieser Veränderungsprozess konnte angesichts der täglichen medizinischen Arbeit und der hohen betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Komplexität jedoch nicht „nebenher“ gestemmt werden. Eine Unternehmensgruppe vor Ort hat sich bereit erklärt, genau diese Lücke auszufüllen und das Projekt tatkräftig mit dem Ziel zu unterstützen, der Region zu dienen. Mit der Gründung des HAZ HausArztZentrums Plettenberg wurde die Voraussetzung für die weitere, möglichst flexible Entwicklung geschaffen. Dazu greifen Betriebswirte und Juristen der Unternehmensgruppe den Praxisführenden direkt unter die Arme, indem sie ihr Wissen in die Geschäftsführung und betriebliche und organisatorische Weiterentwicklung der Praxisform einbringen.

Folienpräsentation

 

Die moderne Landarztpraxis (Silke Utz, KV Schleswig-Holstein)

Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KV SH) fördert die Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung in ländlichen und strukturschwachen Regionen mit dem Versorgungsmodell „Teampraxen - lokale Gesundheitszentren in der Hand von Ärzten“. An zentralen Orten sollen moderne Landarztpraxen in Ärztegemeinschaften entstehen, die auch mit Einsatz von weitergebildetem Personal und Telemedizin die Umgebung versorgen können. Als Standorte kommen Bezirke und Regionen infrage, in denen sich die Versorgungssituation aufgrund der Altersstruktur der Ärzt:innen in den kommenden Jahren verschärfen wird. Der Aufbau von Teampraxen wird über den Strukturfonds der KVSH finanziell unterstützt.

Mehr zum Projekt

Projekt-Video (YouTube)

Folienpräsentation


Kontakt

Veranstalter
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung 
in Deutschland 
Salzufer 8
10587 Berlin

Tel.: 030 4005 2457
E-Mail: events@zi.de
Internet: www.zi.de